Warum es auch einem Schmutzli schlecht gehen kann
Warum es auch einem Schmutzli schlecht gehen kann
Es war ein 6. Dezember, der in die Geschichte unseres Yachtclubs eingehen sollte. Normalerweise verbinden wir diesen Tag mit tiefem Schnee, Schellengeläut und dem Duft von Mandarinen in warmen Stuben. Doch dieses Jahr hatte der Samichlaus, bekanntermassen ein Mann von Welt und offen für neue Transportmittel, einen logistischen Entschluss gefasst: Der Weg über den Bodensee sei die effizienteste Route, um die Kinder am anderen Ufer zu erreichen.
Ein geschätztes Mitglied unseres Clubs hatte den beiden hohen Besuchern seine klassische Holzyacht zur Verfügung gestellt. Eine wahre Schönheit aus Mahagoni und Teak, die schon so manchen Sturm gemeistert hatte. Der Samichlaus, in seiner roten Robe überraschend seefest, übernahm begeistert die Pinne. Er genoss die frische Bise, die an diesem grauen Dezembertag über den See fegte, und bewunderte, wie das elegante Schiff die Wellen nahm.
Ganz anders erging es seinem treuen Begleiter. Der Schmutzli, ein Mann des tiefen Waldes, gewohnt an festen Boden unter den schweren Stiefeln und den Geruch von Tannennadeln, beäugte das schwankende Element von Anfang an misstrauisch.
Als die Yacht den schützenden Hafen verliess und auf den offenen See hinausfuhr, frischte der Wind auf. Das Schiff legte sich elegant auf die Seite – eine Krängung, die das Herz jedes Seglers höherschlagen lässt. Für den Schmutzli jedoch begann ein Martyrium.
Sein sonst so wettergegerbtes, braunes Gesicht nahm eine Farbe an, die verdächtig an die Nadeln eines Tannenbaums erinnerte. Er klammerte sich an seiner Fitze fest, als wäre sie ein Rettungsanker. Das rhythmische Auf und Ab, das Stampfen durch die kurze, steile Bodenseewelle, brachte sein inneres Gleichgewicht völlig durcheinander. Weder die jahrhundertealte Erfahrung im Umgang mit unartigen Kindern noch die Robustheit eines Waldmenschen halfen gegen die unerbittliche Physik der Seekrankheit.
Schliesslich gab es kein Halten mehr. Der Schmutzli, sonst der Inbegriff von Strenge und Autorität, eilte zur Reling im Lee. Und dort, während der Samichlaus mit stoischer Ruhe und vielleicht einem kleinen, mitleidigen Schmunzeln im Bart den Kurs hielt, opferte der Schmutzli den Göttern des Sees seinen Frühstückslebkuchen.
Was lernen wir daraus für unseren Club?
Erstens: Der Bodensee verlangt jedem Respekt ab, egal ob man eine Zipfelmütze oder eine Kutte trägt. Zweitens: Man kann der härteste Geselle an Land sein, aber auf dem Wasser gelten andere Gesetze. Und drittens: Wenn selbst der Schmutzli mal "die Fische füttern" muss, dann ist es keine Schande, wenn es einem unserer Neumitglieder bei der ersten stürmischen Ausfahrt auch mal flau im Magen wird.
Als die beiden schliesslich wieder festen Boden unter den Füssen hatten, soll der Schmutzli den Steg geküsst haben. Der Samichlaus hingegen klopfte ihm auf die Schulter und meinte: "Nächstes Jahr, mein Lieber, nehmen wir wieder den Esel."
Wir wünschen allen Mitgliedern eine besinnliche Adventszeit und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel – und einen stabilen Magen!